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Römerbrücke

Römerwege im Dunkelsteinerwald und Römerbrücke

Friedrich Kenner zeichnete schon 1868/69 die römische „Limesstraße“ von Pischelsdorf kommend über Dürnrohr, Gemeinlebarn, Traismauer, Inzersdorf, Absdorf (Fladnitztal), Weyersdorf, Hohenegg, Mauer und Pielach nach Melk. Hans Riedl sprach 1936 von einer Römerstraße von Mautern über Unterbergern, Paltmühle, Hessendorf, Öd, Kochholz-Lichtensteg, Gerolding und Ursprung nach Pielach. Sonst aber herrschte lange Zeit die Meinung vor, das Gebiet des Dunkelsteinerwaldes sei zur Römerzeit mit undurchdringlichen Wäldern bestanden gewesen und folglich kaum begangen worden – ausgenommen seine Randzonen an Donau, Fladnitz und Pielach.

Römerbrücke

Römerbrücke

1976 stellte Julius Joppich neuerlich jene Frage, die die Wissenschaft schon seit rund hundert Jahren beschäftigt, und zwar ob, und wenn ja, dann wo, auch durch den Dunkelsteinerwald Römerstraßen geführt hätten. Julius Joppich aus Hall/Tirol, ein geborener St. Pöltener, und Franz Kainz aus Mautern kamen bei Feldforschungen zu interessanten Ergebnissen, wie z.B. die Festlegung eines Römerweges über die „Steinplatte“ von Mauternbach nach Unterbergern, die Erkundung eines Aufstieges aus dem Windstallgraben, sowie vom römischen Wachturm in Bacharnsdorf. Auch die Steinbrücke bei Mauer, früher nur als „Wehrbrücke“ bekannt, nennt man seit den Erkundungen Joppichs „Römerbrücke“.

Der bei der Kommassierung großteils eingeebnete Wehrgraben zog früher sanft nach rechts ausbuchtend vom Lanzinger Kreuz zur Lanzinger Brücke (Römerbrücke). Seine ersten 250 Meter bilden die Bezirksgrenze St.Pölten – Melk, und gleich mit dieser läuft auch die Tabulastraße. In weiterer Folge strebt sie auf längst getilgter Trasse spießgerade dem Wäldchen östlich der Brücke zu. Von hier steigt ein Dutzend Hohlwege zur Flur „In der Wehr“ ab, wobei im nördlichsten der bestehende Zugang läuft, und im geradlinigsten die Römerstraße.

Die Lanzinger Brücke war früher nur als „Wiabruckn“ bekannt. Es fehlt nicht an Versuchen, diese Brücke mit einem Wasserstauwerk oder mit einem Verteidigungs-Bauwerk in Verbindung zu bringen, wobei die in der Falllinie zur Brücke hin verlaufenden abgekommenen Hohlwege als Verteidigungswälle gesehen werden. Könnte in diesem mundartlichen „wia“ nicht eher das Lateinische „via“ verborgen sein? Die „Wiabruckn“ wäre dann als Straßenbrücke zu deuten.

Römerbrücke Winter 2006

Bei Begehungen um 1960 erkannte Julius Joppich die Besonderheit dieses heute völlig unbedeutenden Bachüberganges, und seither hat sich die Bezeichnung „Römerbrücke“ eingebürgert. Wolfgang Häusler bekräftigt in „Melk und der Dunkelsteinerwald“ diese Wahrscheinlichkeit, wenn er sinngemäß meint, dass man hier kaum ein so aufwendiges Bauwerk errichtet haben wird, nur um zu den Feldern auf der anderen Seite des Baches zu gelangen. In nachrömischer Zeit wäre diese Brücke unter Umständen erklärbar, wenn hier ein bedeutender Fernhandelsweg gelaufen wäre oder eine Verbindungslinie zwischen mächtigen Herrschaftssitzen – beides war aber sicher nicht der Fall.

Durch diese Pionierleistungen angespornt, durchkämmte auch ich das Gebiet des Dunkelsteinerwaldes auf der Suche nach dem Verlauf von Römerstraßen. In letzter Zeit kann ich mich dabei auch auf die Mithilfe von Franz Filsmeier aus Oberbergern stützen, der ein bewanderter Kenner dieses Gebietes ist.

aus: Josef Stern, Römerräder in Rätien und Noricum

Renovierung der Römerbrücke, 2008-2010:

Römerbrücke 2011

Römerbrücke 2011

Römerbrücke 2011